Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) - Stressbewältigung durch Achtsamkeit
Das Mindfulness-Based Stress Reduction Programm (MBSR) ist ein achtwöchiges, im allgemeinen in Gruppen durchgeführtes, Interventionsprogramm, das auf der Basis der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation eine Hilfe zur Selbsthilfe zur besseren Bewältigung von Krankheit, Schmerzen und Stress anbietet. Das Programm richtet sich an Menschen, die an chronischen körperlichen Erkrankungen und / oder an psychologischen Beschwerden wie Angst oder Depression leiden. Darüber hinaus ist es auch besonders geeignet für die Bewältigung von schwierigen Lebensereignissen, Stress in der Familie oder am Arbeitsplatz oder zur Gesundheitsprävention ganz allgemein.
Das MBSR-Progamm wurde von dem amerikanischen Molekularbiologen und Anatomieprofessor Jon Kabat-Zinn und seinen Mitarbeitern entwickelt. Ende der 70 er Jahre begründete er die inzwischen weltweit renommierte “Stress Reduction Clinic“ (heute Center for Mindfulness) an der medizinischen Fakultät der Universität von Massachusetts. Seit Gründung der „Stressklinik“ haben bereits mehr als 15 000 Menschen allein dort an diesem Programm teilgenommen. An Gesundheitszentren und Kliniken in den USA ist das MBSR-Programm ein inzwischen integrierter Bestandteil verhaltensmedizinischer und psychotherapeutischer Angebote. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern lässt sich ein immer größer werdendes Interesse an dem Achtsamkeitsprogramm - wie an dem Konzept Achtsamkeit überhaupt - und ein entsprechend wachsendes Angebot an MBSR-Kursen registrieren.
Grundlage des Programms ist eine intensive und systematische Schulung in Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeutet hier ein offenes, klares und nicht-wertendes Gewahrsein von Augenblick zu Augenblick. Durch verschiedene Meditationsübungen wie Meditation im Liegen, Sitzen und Gehen sowie durch sanfte Yoga-Übungen lernen die KursteilnehmerInnen ihre Gedanken, Körperempfindungen und Gefühle auf direkte und gleichzeitig nicht wertende und freundliche Art und Weise zu beobachten. Unbewusste Gedanken- und Verhaltensmuster, die die körperliche, geistige und emotionale Gesundheit untergraben können, im Umgang mit Stress und anderen schwierigen Herausforderungen des Lebens häufiger möglich werden, innezuhalten und statt automatisch und mit unbewussten und oft ungünstigen Bewältigungsstrategien zu reagieren, neue, sinnvolle und manchmal auch kreative Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
In den MBSR-Kursen spielt neben den erwähnten so genannten formalen Meditationsübungen besonders auch die Integration von Achtsamkeit in den Alltag eine zentrale Rolle. Darüber hinaus wird das Programm auf kognitiver Ebene bereichert und ergänzt durch die Vermittlung einiger für die Achtsamkeitspraxis relevanter Informationen und Erkenntnisse aus der Stressforschung, Psychoneuroimmunologie, sowie der Kommunikations- und Wahrnehmungspsychologie.
Die Wirksamkeit des MBSR-Programms für KursteilnehmerInnen besonders hinsichtlich der Verbesserung der Lebensqualität sowie in Bezug auf die Verringerung von körperlichen und psychologischen Krankheitssymptomen konnte in zahlreichen wissenschaftlichen Studien für ein breites Spektrum an unterschiedlichen Diagnosen nachgewiesen werden.
Eine in Deutschland durchgeführte Studie, die so eben in der Zeitschrift Psychosomatics und Psychotherapy* veröffentlicht wurde, konnte zum Beispiel die Wirksamkeit der MBSR-Intervention für Fibormylagie-Patientinnen auf überzeugende Weise belegen.
* Grossman, Paul et. al., Mindfulness Training as an Intervention for Fibromyalgia: Evidence of Postintervention and 3-Year Follow-Up Benefits in Well-Being



